Foto Vogel
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Scannen von Großnegativen (Planfilm oder Glasplatte) - ein einfaches und preiswertes Verfahren


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Scannen (Digitalisieren) von Großnegativen (Planfilmen)

von Jens Vogel Januar 2018

Mit den bei vielen handelsüblichen Scannern als Zubehör mitgelieferten Aufsätzen kann man nur Kleinbild-Negative, bei einigen Scannern auch Negative bis zu 6x6 bzw. 6x9 cm scannen.

Wie kann man aber auf einfache Weise und ohne große Kosten großformatige Negative scannen?

Im Archiv der Firma Foto-Vogel befinden sich fast ausschließlich Negative - als Film oder Glasplatte - mit Formaten von 9 x 12 cm, 13 x 18 cm, 18 x 24 cm oder noch größer. Die Digitalisierung durch Fremdanbieter, die im Internet ihre Dienste anbieten, ist sehr kostspielig.

Hier wird ein von uns entwickeltes und erprobtes Verfahren vorgestellt, mit dem man mit einem handelsüblichen Scanner großformatige Negative einscannen kann und dabei erstaunlich gute Ergebnisse erzielt. Eine anschließende Nachbearbeitung mit einem Bildbearbeitungsprogramm ist notwendig.

Zum Scannen von Negativen benötigt man eine starke Lichtquelle, die von oben die Negative durchleuchtet. Nach diesem Prinzip arbeiten auch die Aufsätze, die bei vielen Scannern als Zubehör mitgeliefert werden. Bei Verwendung der Aufsätze wird automatisch die Lichtquelle des Scannerschlittens, also die Beleuchtung von unten, ausgeschaltet.

Da dies beim "normalen" Scannen nicht möglich ist, muss die Lichtquelle von oben sehr stark sein, damit die interne Lichtquelle des Scanners überstrahlt wird und der Scannerkopf trotzdem die durch das Negativ kommenden Lichtunterschiede erfassen kann. Gleichzeitig muss die Lichtquelle großflächig abstrahlen, um eine gleichmäßige Durchleuchtung des gesamten Negativs zu errreichen.

Nach mehreren Versuchen mit verschiedenen Lichtquellen hat sich ein Fluter mit einem 150 Watt Halogen-Stab als geeignet herausgestellt. Hier sind sicher auch andere starke Lichtquellen möglich, probiert es aus. Der Fluter befindet sich im Abstand von circa 40 - 50 cm senkrecht über dem Scanner. Der Fluter kann allerdings sehr heiß werden!! Achtung !

Deshalb ist es wichtig, die Lichtquelle bei aufgelegtem Negativ nur für den eigentlichen Scannvorgang eingeschaltet zu lassen. Der Fluter produziert eine große Hitze, die den Film und die fotografische Schicht zerstören kann. Eventuell muss man den Abstand zum Negativ vergrößern oder mit einem Dimmer arbeiten. Das muss man ausprobieren.

Dass man die kostbaren Negative pfleglich behandeln sollte (Handschuhe, nur am seitlichen Rand anfassen), versteht sich von selbst.

Damit das Licht diffus über die Negativfläche verteilt wird und keine Reflexionen auftreten, legt man eine Milchglasscheibe oder eine matte Acrylplatte (gibt es beim Glaser oder im Baumarkt) von oben auf das Negativ. Um zu verhindern, dass seitliches Licht in den Scannerkasten eindringt, welches zu störenden Reflexionen führt, schneidet man sich aus Karton eine Maske in der Größe des Negativs bzw. einige Millimeter kleiner und deckt die Ränder der Scannerfläche damit ab.
Bei einem Film legt man zuerst das Negativ und dann die Maske darüber, bei einer Glasplatte zuerst die Maske und dann die Platte darüber. Das Negativ zeigt mit der "Schicht" nach oben, dann ist das gescannte Bild direkt seitenrichtig. Auf das Negativ legt man nun die Milchglasscheibe, die um einiges größer sein sollte als das Negativ selber.

Man scannt im Farbmodus, auch wenn es sich um ein Schwarz-Weiß Negativ handelt. Erst später nach der Umwandlung zum Positiv mit dem Bildbearbeitungsprogramm geht man in den Schwarz-Weiß-Modus.
Man sollte mit hoher Auflösung scannen, mindestens 600, besser 1200 dpi, das richtet sich nach der späteren Verwendung und den eigenen Ansprüchen. Der Scannvorgang kann dann schon 2 - 3 Minuten dauern. Bei einem 13 x 18 cm Negativ betrug bei uns die Scanzeit bei 600 dpi circa 90 Sek., bei einer Dateigröße von ca. 38 MB. Bei 1200 dpi betrug die Scanzeit ca. 180 Sek. und die Datei war ca. 160 MB groß (jeweils im TIF-Format).

Mit dem Bildbearbeitungsprogramm optimiert man dann das gescannte Negativ:

1. "Umkehren", man erhält ein erstes Positiv, qualitativ noch wenig überzeugend.

2. Danach wechselt man in den Graustufenmodus und korrigiert Helligkeit, Kontrast und Gradation nach Empfinden. (Vor allem der Kontrast muss stark erhöht werden!) Danach sollte man noch "retuschieren". Eine anschließende "Tonung" (z.B. Sepia) gibt der Fotografie eine zusätzliche "spezielle Note"..

Das Erbebnis ist aus unserer Sicht sehr zufriedenstellend (siehe rechte Beispiele), selbst bei anschließender Vergrößerungen bis zu 40 x 60 cm. Auf diese Weise wurde das gesamte Firmenarchiv mit mehreren Hundert Planfilmen bzw. Platten (SW) digital archiviert.

Die nebenstehende Fotografie ist von Hans Vogel und entstand circa 1912. Das Negativ ist eine Glasplatte im Format 13 x 18 cm.

Das hier zur Demonstration des Scannens verwendete alte Negativ zeigt ein Gebäude, welches möglicherweise heute nicht mehr steht. Auf dem am Haus befindlichen Straßenschild steht "Karl-Theodor-Straße". Die Stadt ist allerdings noch unbekannt! Es gibt in Deutschland mehrere Orte mit einer solchen Straße, unter anderem München, Hamburg, Ingoldstadt und Pirmasens. Es ist bisher nicht gelungen herauszufinden, in welcher Stadt das Gebäude steht. Möglicherweise erfolgte auch eine Umbenennung der Straße und sie heißt heute anders. Rechts im Hintergrund befindet sich ein Tempel-ähnliches Gebäude mit verdecktem Kirchturm. Über dieses markante Gebäude sollte eigentlich der Ort der Aufnahme ausfindig zu machen sein.

Wer kann etwas über den Ort sagen?

Über eine Rückmeldung würden wir uns sehr freuen. Bitte meldet euch!

Rechts eine weitere alte Fotografie die die Weinstube Blankenhorn zeigt und die daneben liegende Bäckerei L.Lenz.

Auch hier konnte der Ort noch nicht identifiziert werden.
Eine Verbindung zu dem bekannten Weingut Blankenhorn im Margräfler-Land besteht nicht.

Wer weiß etwas über diese Gebäude und den Ort, in dem sie stehen oder standen?


Scanneroberfläche mit Negativ, Maske und Milchglas

Während des Scannvorgangs

Der handelsübliche Deckenstrahler / Fluter - 150 Watt

Das Negativ. Originalgröße: 13 x 18 cm- die Rottöne ergeben sich aus
der Farbtemperatur der Strahlerlampe

Erstes Positiv nach der Umkehrung (noch Farbmodus)

Das Positiv nach der Bearbeitung (Schwarz-Weiß-Modus)

Negativ Glasplatte 13x18 cm, "Blankenhorn´s Weinstube

"Blankenhorn´s Weinstube" , daneben die Bäckerei "L.Lenz"- Ort und Straße unbekannt